Dienstag, 30. September 2014

Das erste Fest

 
 
Dieses Wochenende stand das erste Fest an, das ganz Beaver Run zusammen zelebriert hat
- St. Michael.
Bevor ich hier her kam, hatte ich davon noch nie was gehört. Wahrscheinlich geht es euch auch so!
Meine Vermutung, das vor allem bei Camphills gefeiert wird, wurde bestätigt als ich "Story of St. Michaelmas" im Internet gesucht habe. Das erste Ergebniss war ein Bericht, in dem die Rede von Walddorfschulen ist. Dabei wird traditionell der Drache symbolisch für die Schwierigkeiten, die auch die Kinder hier haben (sprachlich, innerlich,etc.), gesehen. Dieser wird jedoch von einem mutigen und starken St. Michael besiegt. Der tiefere Sinn hinter dem Fest ist, dass sich die Kinder bewusst werden, dass sie dieser St. Michael sind.
Jedoch ist drumherum viel Spaß und Gemeinschaft. So wurde ein Stück von unserer Schule aufgeführt - auch für auswertigen Besuchern - und natürlich Drachenschwänze zum Essen angeboten!
Nach dem Vormittag konnten wir dann all unsere Energie beim Pflanzen von Bäumen loswerden.
Und unser Ergebniss kann sich sehen lassen (siehe Bild).
Damit unsere Bäume auch stark werden und den bevorstehenden "harten" Winter überstehen (glaubt man hier manchen Leuten), wurden sie natürlich mit Fahnen und Reden überschüttet.
Meine neunte Klasse hatte das Privileg, die Bäume einzuweihen. Dazu haben wir in den letzten Tagen Leinen bemalt und so hat sich jeder Schüler seine ganz eigene Fahne machen können. Mit einem einstudierten "Einweih-Song" haben wir dann mit ganz Beaver Run unsere Bäume bepriesen.
So war das Einweihen der Bäume eine ganz nette Abwechslung nach dem Sitzen am Vormittag.
(Bitte habt Verständnis dass ich hier keine Bilder von dem Fest zeigen kann und den Kindern. Wenn ihr mich aber persönlich fragt, kann ich sie euch direkt geben (Email, Dropbox, ...).
 
Was es noch zu erwähnen gibt: Bei mir setzt jetzt der Indian Summer ein!
Eine neue Erfahrung, da ich kurz davor stehe meine Badehose wieder auszupacken bei diesen sommerlichen Temperaturen und wieder in den Pool zu springen.
Auch für das Auge ist der Wechsel der Blattfarben ein Leckerbissen.
Noch eine Woche und hier ist es richtig schön rot.
 

 

Sonntag, 21. September 2014

Geburtstag in der Ferne

 
Was für ein seltsames Gefühl, wenn man Geburtstag hat und nicht die bekannten Gesichter sieht, wie Familie und Freunde, sondern Menschen die man seit einem Monat kennt! Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass das einem merkwürdig vorkommt.
Da ich nun einmal im September Geburtstag habe, bin ich einer der ersten der diese Erfahrung macht.
Man kann sagen, es wird einem deutlich was man zu "Hause" lässt.
Nochmal von hier aus: Danke an alle die Glückwünsche!
 
Nichtsdestotrotz hat sich meine Ersatzfamilie die größte Mühe gegeben mit mir einen entspannten und glücklichen 19-en Geburstag zu feiern - ohne Sekt natürlich!
So wurde ich schon eine Woche im Vorraus gefragt, was ich mir den für einen Geburtstagskuchen wünsche. Da ich die Backfähigkeiten unserer Hausmutter austesten wollte, sagte ich eine Käsesahne wäre doch ganz nett. Darin lag wohl der Fehler!
Erste Probleme gab es beim Übersetzen des Rezepts, da wir als backunfähige Coworker große Schwierigkeiten hatten, das Rezept sinngemäß zu übersetzen.
Nach einem Einkauf beim Supermarkt hatten wir dann alle Zutaten drei Mal, aber immer noch recht keinen Plan. Nach Hin- und Hergetue entschloss sich meine Hausmutter zwei in Zucker getränkte Schokokuchen zu kaufen. Die Kuchen waren der Hammer...und die verkümmerten Anfänge unseres Kuchens stehen noch in der Küche.
Um das Gefühl eine neue Heimat zu haben perfekt zu machen, bekam ich dann auch noch zwei Geschenke. Einen Notizblock und das englisches Buch "The Book Thief", welches als
 "The Extraordinary # 1 New York Times Bestseller" deklariert ist. Ich erhoff mir also eine Menge!
 
Abends wollten dann noch paar Leute in eine Bar gehen, aber da wir bis jetzt noch nicht erlaubt sind zu Fahren, blieben wir in Beaver Run. Allerdings sind wir fest entschlossen, den Teil mit der Bar zu wiederholen:)

Samstag, 13. September 2014

Einleben braucht Zeit

 
 
Nach nahezu zwei Wochen Arbeit mit den Kindern möchte ich die Zeit Revue passieren lassen und euch meine Eindrücke mitteilen.
 
In meinem Haus, namens Trillium, leben sechs Internatsschüler und zwei Day-students.
Ich habe viel Glück mit meinem Haus, denn die Schüler sind schon in der High School und damit schon an das Leben hier gewöhnt. Das heißt sie können schon viele Dinge von selbst tun und ich stehe ihnen meist beratend zur Seite, damit sie auch ihre Tätigkeiten richtig durchführen. Natürlich ist das von Schüler zu Schüler unterschiedlich! Während der Eine nur punktuell erinnert werden muss, dass er mithelfen soll beim Tischabräumen, haben Andere Probleme ihre Konzentration zu halten, womit es teilweise schwierig wird z.B. deren Duschvorgang "schnell" durchzuführen.
 
Alles in allem können sie jedoch mehr als ich mir von Deutschland aus gedacht habe. So sprechen von den sechs Internatschüler fünf - wenn auch einer teilweise in arabisch! Da kann die Kommunikation schon mal ins Stocken geraten, wenn man nicht weiß, ob es die eigenen fehlenden Englischkenntnisse sind oder doch die arabische Sprache des Schülers. Jedoch merkt man spürbar wie man mit zunehmender Zeit immer flüssiger Englisch sprechen kann und neue Wörter in den täglichen Sprachgebrauch aufnimmt.
 
Ich möchte noch kurz auf meinen normalen Tagesrhythmus unter der Woche zu sprechen kommen, damit man sich das Vorstellen kann. Am Wochenende ist das natürlich flexibler und ich habe auch mehr Freizeit - heißt Ausschlafen bis Acht Uhr!!
 
Mein Tag beginnt um sieben Uhr in Trillium - die erste Woche war echt hart, da man sich daran noch nicht gewöhnt hatte!
Zu aller erst werden die Schüler aufgeweckt und für den Tag fertig gemacht.
Danach gibt es Essen. Ich habe mich schon soweit eingelebt, dass ich nun Brot mit Peanut butter und Marmelade esse. Eigentlich ist es nur süß und klebt zwischen den Zähnen, aber das machen hier wirklich die Meisten so.
Nachdem ich die Kinder dann circa um neun zur Schule gebracht habe, habe ich erst mal neunzig Minuten Pause.
Ich stoße zu meiner Klasse in deren Pause und wir gehen danach in die Ability Groups. Je nachdem worin man die Stärken des Schülers sieht, wird er in die zu ihm passende Gruppe gebracht. So gibt es Lese- und Mathegruppen, wie auch Landarbeit oder Gartenarbeit.
Ich bin in einer Lese- und Mathegruppe, wobei ich die letzten zwei Mal mit einem Schüler Müll weggebracht habe, damit er seine überschwängliche Energie loswerden konnte :)
Gegessen wird dann mit unseren Schülern zusammen wieder in Trillium. Meistens eine sehr lustige Angelegenheit, da die Schüler für jede Überraschung bereitstehen.
Nach einer Resthour geht dann jeder Schüler individuell in die zu ihm passende Crew. Ein breites Angebot von Weben über Landarbeit bis zu Shoppen gehen wird bereitgestellt und wir Coworker dürfen natürlich mithelfen.
So bin ich montags und mittwochs im Wald (Landarbeit) und freitags in Life Skills und darf mithelfen beim Backen - wenn ich nach Deutschland zurückkomme, kann ich dann auch mal Backen!
Nach dem Abendessen bringen wir dann die Kinder um Neun ins Bett.
 
Zurzeit treffen wir uns danach in unserem Social Room, der mit Beamer und Sofas ausgestattet ist - weitere Sofas und Fitnessgeräte sind auf dem Weg.
So lässt sich der Tag dann entspannt in der Gruppe beenden.